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Luftdichtigkeit – Blower-Door-Verfahren

Luftdichtigkeitspruefung1Begriffsdefinition

Luftdicht: Die Dichtheit der Gebäudehülle wird durch eine Luftdichtigkeitsschicht erreicht, die Strömungen von innen nach außen und umgekehrt verhindert. Sie liegt meist auf der warmen Seite der Konstruktion und übernimmt oft die Funktion der Dampfsperre oder -bremse.

Winddicht: Die Winddichtung verhindert Luftströmungen von außen in den Dämmstoff hinein und wieder nach außen (Dämmschutzschicht). Sie liegt im äußeren Bereich der Konstruktion.

Blower-Door

Mit modernen Methoden sind Messungen an der Gebäudehülle kinderleicht.

Die EnEV konfrontiert die am Bau Beteiligten immer häufiger mit dem Thema Luftdichtheit. Schließlich bedeutet ein nachgewiesener Grenzwert Bonuspunkte für die Berechnung des Lüftungswärmebedarfs. Tatsächlich sind luftdichte Gebäudehüllen für das Handwerk nicht neu, denn bereits seit Juli 1998 schreibt der Gesetzgeber sie vor. Dafür gibt es gute Gründe:

Bauphysikalische Sicherheit

Entweicht warme, feuchtebeladene Raumluft durch die Gebäudehülle nach außen, kondensiert ein Teil der Luftfeuchtigkeit. Je kälter die Außentemperatur ist, desto mehr Wasser fällt in der Konstruktion aus. Um Feuchtigkeitsschäden und Schimmelpilzbildung zu vermeiden, wird der erforderliche Luftwechsel durch die luftdichte Ebene ausschließlich über geöffnete Fenster oder eine Lüftungsanlage sichergestellt.

Energetische Bedeutung

Durch Spalten oder Fugen entweichende Energie wirkt sich drastisch auf den Heizwärmebedarf aus. Wegen dieses Verlustes scheinen manche Heizungsanlagen unterdimensioniert zu sein. Sie erreichen im Winter nicht einmal eine Innentemperatur von 19 °C.

Sicherstellen des Wohnkomforts

Tritt Luft von außen durch Fugen in den Wohnraum ein, wird es ungemütlich. Nicht nur, dass es zieht: Die schwerere Kaltluft sammelt sich am Boden zu einem so genannten Kaltluftsee, in dem man sich schnell frostige Füße holt. Luftdichtheit ist zudem eine Voraussetzung für das erforderliche Schalldämmmaß. Gerade im Geschosswohnungsbau dringen über Undichtheiten Geräusche und Gerüche in Nachbarwohnungen ein. Clevere Handwerker haben längst erkannt, dass die EnEV-Vorgaben für luftdichtes Bauen enorme Entwicklungsmöglichkeiten bieten: einheitliche Qualitätsstandards heben Wettbewerbsverzerrungen bei der Auftragsvergabe auf und sichern die Chancengleichheit. Die ausführenden Gewerke belegen mit dem Luftdichtheitsnachweis die Qualität ihrer Leistungen und schaffen sich so zusätzliche Referenzen. Der Handwerker dokumentiert mit einer Luftdichtheitsmessung den Stand seiner Arbeit und schützt sich damit gegen Regressansprüche, falls der Bauherr zum Beispiel in Eigenleistung weiterarbeitet.

So messen Sie die Luftdichtheit

Das Prinzip der Luftdichtheitsmessung ist denkbar einfach: Ein drehzahlgeregelter Ventilator wird in ein Fenster oder eine Tür eingebaut (siehe Bild oben). Er fördert Luft nach außen und bewirkt die notwendige Druckdifferenz von 50 Pascal (Pa) zwischen dem beheizten Wohnraum und der Umgebung. Nachströmende Luft, gleicht über undichte Stellen, diesen Unterdruck aus. Solche Schwachstellen in der Gebäudehülle können bereits mit der Hand gespürt werden. Wer es genauer wissen will, dokumentiert die Leckagen mit Hilfe eines Luftgeschwindigkeitsmessgerätes. Um den Wert von 50 Pa aufrecht zu erhalten, muss der Ventilator nachströmende Luft wieder nach außen transportieren und entsprechend höher drehen. Der Leckage- volumenstrom V50 [m3/h] wird so messbar und in die Luftwechselrate n50 umgerechnet. Dazu dividiert man den Volumenstrom durch das gemessene Gebäudevolumen V : n50 = V50/V [1/h]. Der n50-Wert beschreibt dann den Luftaustausch des Gebäudes pro Stunde bei einer Druckdifferenz zwischen innen und außen von 50 Pa. Ein n50-Wert von 3 [1/h] bedeutet, dass bei einer Druckdifferenz von 50 Pa das Luftvolumen des beheizten Bereiches in einer Stunde drei mal ausgetauscht wird.

Die Kennwerte für dieses sogenannte Differenzdruckverfahren sind in der EU-Norm 13829 festgelegt; auch die EnEV § 5 Abs. 1 richtet sich danach. So dürfen die Grenzwerte für Gebäude ohne raumlufttechnische Anlagen (= 3 [1/h]) und mit raumlufttechnischen Anlagen (1,5 [1/h]) nicht überschritten werden.

Messzeitpunkt

Ein aussagefähiger n50-Wert wird bei bezugsfertigen Gebäuden gemessen.

Eventuelle Leckagen sind in diesem Ausbauzustand nur mit enormem Aufwand zu beheben. Überprüft man die luftdichte Ebene jedoch gleich nach ihrer Fertigstellung auf Leckagen, sind Undichtheiten leicht nachzubessern.

Vor der Messung werden sämtliche Fenster und außenliegenden Türen geschlossen. Der geeignete Einbauort für das Rahmensystem könnte zum Beispiel ein Fenster sein. Dieses wird geöffnet und der Einbaurahmen horizontal und vertikal bis auf etwa 10 cm an den Fensterrahmen ausgezogen. Diese Einstellung fixiert man mit Sterngriffen und legt zur luftdichten Anbindung an den Fensterrahmen eine Folie um das voreingestellte Rahmensystem. Danach werden die Sterngriffe wieder gelöst und das Rahmensystem seitlich und nach oben bis zum Fensterrahmen ausgefahren. Den notwendigen Anpressdruck am Fensterrahmen bewirkt das erneute Festdrehen der Sterngriffe und das Betätigen der Spannhebel.

differenzdruckverfahren-e1449822318963Um die Höhe des Prüfgerätes justieren zu können, befestigt man eine Konsole am Rahmensystem und ist somit unabhängig von der Tiefe und Breite des Fensters oder einer Fensterbank. Das Messgerät kann problemlos auf die Konsole gestellt werden. Man stülpt den vorgegebenen Folienkragen über das Ventilatorgehäuse und befestigt ihn mit einem Gummizug. Nach dem Anbringen der beiden Druckschläuche für innen und außen kann die Messung beginnen.

Messablauf

Sofern die Gebäudedaten nicht im Vorfeld eingegeben wurden, muss vor der Messung der Objektname und das Volumen des zu überprüfenden Gebäudes oder Gebäudeteils eingegeben werden. Anschließend wählt man die gewünschte Druckdifferenz für die Messung aus: Überdruck, Unterdruck oder Überdruck plus Unterdruck.

Das Gerät fährt im Prüfverlauf selbständig fünf Differenzdruckpunkte in einem Messbereich von 60 bis 10 Pa an und nimmt den zugehörigen Volumenstrom auf. Der Ventilator wechselt automatisch die Drehrichtung und steuert die Messpunkte für den Überdruckbereich an.

Korrekturfaktoren, die sich aus der Luftdichte ergeben, und die natürliche Druckdifferenz rechnet die Gerätesoftware automatisch in die Kennwerte ein. Direkt nach der Erfassung des Wertes für den letzten Differenzdruckpunkt zeigt das Display das Endergebnis an. Die gesamte Messdauer für den Überdruck und den Unterdruck beträgt etwa fünf Minuten.

Die Daten werden anschließend auf einen Computer übertragen und dort weiterverarbeitet.